HANNAH RAUẞ

Visual Communication
Designer  |  Hamburg

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hannah @ rauss . net

| 20150322

Atelier, Freie Kalligraphie, Freie Kalligraphie – Reihe
#1, Freie Kalligraphie, Reihe | 20150322 – noe.io

| 20150308

Freie Kalligraphie

Wisst ihr noch, am Mittwoch? Als ich versuchte, die Freie Kalligraphie, so gut es ging, in Worte zu fassen? Wie in dem Beitrag schon erwähnt, hatte ich das große Glück mehrere Workshops zu diesem Thema mitbetreuen zu dürfen. Und viele Male nahm ich meine Kamera und das Stativ mit und dann gab es sogar diesen einen Abend, da vergaß ich es während des workshoppens nicht und filmte einige der Teilnehmer beim kalligraphieren. Ich Fuchs. Wer hätte gedacht, dass ich die Videos jemals gebrauchen könnte? Aber für euch habe ich heute zwölf Fünf-Sekunden-Sequenzen zusammengeschnitten, die ganz gut verdeutlichen, wie unterschiedlich Freie Kalligraphie ausfallen kann, mit welchen „Werkzeugen“ zum Beispiel experimentiert wurde und auch generell, wie es so von statten gehen könnte. Und bei euch sieht das dann wiederum ganz anders aus (siehe Punkt 2 „sich nicht verunsichern lassen“).


| 20150306

Freie Kalligraphie
s/b, II | 20150306 – noe.io

| 20150304

Freie Kalligraphie


Ich wollte nur mal kurz sagen, dein Blog ist so toll und Deine Arbeit mit der Plakatfeder ist fantastisch <3 Jetzt will ich das nämlich auch lernen und so wunderschön schreiben können wie Du <3  […]  Ich in wirklich total fasziniert davon und hab mir das video ein paar mal staunend angekuckt, weil das auch irgendwie etwas total beruhigendes zen-mäßiges hat. Ich freu mich drauf das auszuprobieren!


Diese lieben Tweets schrieb Katharina (regenbogenzebra.com) mir am Montag auf Twitter <3. Das hat mich total gefreut und gleichzeitig finde ich es erstaunlich, dass sie diese Wortwahl traf, die es auch für mich umschreibt: beruhigend, zen-mäßig. Das trifft eigentlich genau den Punkt. Aber ich selbst tue mich generell sehr schwer damit, es zu beschreiben, weil ich das Gefühl habe sehr emotional und zu wenig sachlich zu vermitteln. Damit driftet es für viele schnell in eine esoterisch anmutende Ecke und da das eher negativ wahrgenommen wird, versuche ich es so neutral, wie möglich zu halten. Es wäre schade um die Erkenntnisse, die man daraus gewinnen kann, wenn man sich zu voreilig dagegen verschließt, weil es einem irgendwie komisch, abgehoben oder befremdlich vorkommt.

_ WIE LIEBER NICHT    Wenn ihr nun losgeht, euch ein Kalligraphie-Set mit allen möglichen Feder-Varianten, die beste Tinte und das hochangepriesenste Kalligraphie-Papier kauft und gleich Buchstaben drauflos schreibt, wird es in den allerseltensten Fällen so, wie ihr euch das vorstellt. Und das ist frustrierend. Die formelle Kalligraphie ist eine Lernsache. Man muss wissen, wo und wie stark der Wechselzug bei welchem Buchstaben ist, wann man auf welche Art mit welchen Eigenarten schrieb, mit welcher Feder und wie man sie bei welchem Buchstaben an welcher Stelle dreht und zieht und schiebt und drückt, um bestimmte Merkmale bestimmter Schriften herauszuarbeiten, … . Im Grunde fehlt euch dabei besonders eins: Jemand, der euch zeigt, wie es geht. Und ganz viel Übung.

_ WIE DENN DANN    Jedem, der sich in diese Richtung interessiert, würde ich empfehlen erst einmal freikalligraphisch und experimentell anzufangen. Das schafft eine wichtige Grundlage, die es euch später ermöglicht Kontraste, Spannungen und Qualitäten in Formen wahrnehmen zu können. Ihr bekommt einen Blick für Abstände, Kompositionen, und eine Sicherheit in eurem Strich. Außerdem macht es wahnsinnig Spaß, wenn man den Dreh raus hat. Und ganz ehrlich, wer auch immer ihr seid, was ihr gerade erlernt, studiert oder beruflich macht/machen wollt: Ihr könnt das. Alle. – Warum ich mir so sicher bin? Nach sehr vielen Workshops, die ich mit begleiten durfte, ist meine Erfahrung, dass auf kurz oder lang jeder seine Art und seinen Stil in der freien Kalligraphie findet.

Falls ihr die Möglichkeit habt, einen Workshop in diese Richtung zu besuchen (im besten Fall natürlich gleich beim besten Professor der Welt, bei dem ich es selbst kennenlernte), dann würde ich euch das wirklich ans Herz legen. Das ist richtig gut, gerade am Anfang, wenn man noch nicht genau weiß, was man da eigentlich gerade macht. Ich versuche euch aber im Folgenden und in weiteren Posts mit Informationen zu versorgen, die euch sicher auch schon ein ganzes Stück weiterhelfen. Es ist natürlich einfacher in einem Workshop mit jemandem an der Seite, der einem direkt helfen und voranbringen kann, aber wir kriegen das hin. Vielleicht schreibe ich einfach hunderte an Posts zu diesem Thema, dann ist es fast so, als stände jemand neben euch.

_ WORUM GEHTS    Zusammengefasst: Bewegungen visualisieren. Anstatt also Buchstaben zu schreiben, werden hier fließende Bewegungen zu Papier und in Komposition gebracht.

_ WOMIT GEHTS    Egal womit. Nehmt dazu, was immer euch in die Hände fällt. Ein Stück feste Pappe, ein Pinsel, ein quer abgeschnittenen Ast, eine Feder. Es macht auf jeden Fall Sinn, das euch euer Werkzeug gut in der Hand liegt und ihr es gut kontrollieren könnt. Nehmt ihr zum Beispiel ein Stück Pflanze, an dem noch viele kleine Blüten oder Blätter lose herumhängen und welches sich generell eher so anfühlt, als würde es euch gleich abknicken, sobald ihr mit etwas Druck auf das Papier geht, dann habt ihr es nicht unter Kontrolle. Damit unterliegt euer Ergebnis eher der Rücksicht auf das Material, als dass es euch widerspiegelt. Aber probiert es selbst aus. Im Grunde ist alles richtig und ihr werdet sicher schnell merken, welches Werkzeug euch liegt oder eine Kombination aus mehreren wählen oder auch immer wieder wechseln. – Beim Papier sieht es ähnlich aus. Probiert einfach aus. Manches funktioniert mit der einen Farbe besser, anderes mit der anderen. Ihr braucht eh Massen an Papier und nachher wird es bei euch aussehen, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Die Hauptsache ist, dass das Papier nicht herumrutscht, während ihr darauf arbeitet. Damit ihr euch auch hier nicht zurückhaltet, nur damit das Papier dort bleibt, wo es ist. Ihr werdet vermutlich (hoffentlich) einen hohen Papierverbrauch haben, also nehmt alles, was ihr kriegen könnt, und gerade am Anfang nicht das teuerste und hochwertigste, das ihr findet. – Tinte, Tusche, Beize, pastöse Farbe, wässrige Farbe. Ein hoher Kontrast zwischen eurer Farbe und dem Untergrund funktioniert in der Regel besser, um die Formen möglichst klar herauszubringen. Aber testet es einfach aus. – Ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden. Experimentiert mit allem, was euch in den Sinn kommt.

_ WIE GEHTS    Ich könnte jetzt schreiben: Einfach machen! Denn so geht es. Aber ich gebe euch noch drei Hilfen:

1.
bei sich zu sein

Der meditative Aspekt ist kein Muss, aber im Grunde spiegelt sich das nachher sehr in euren Arbeiten wider. Bei mir ist es auch so, dass mir die „besseren“ Ergebnisse gelingen, je mehr ich bei mir bin. Am besten stellt ihr euch bei den Ausführungen der Bewegungen hin anstatt zu sitzen, auf beide Füße. Und Achtung, jetzt kommt die schwierige Beschreibung: Spürt den Boden unter euren Füßen, eure Beine, euren Körper, euern Arm, eure Hand, euer Werkzeug in der Hand, das Werkzeug auf dem Papier, die Bewegung, die ihr mit dem Werkzeug macht. Und wieder absetzen. – Erst an dieser Stelle schaltet sich bei mir der Kopf wieder ein. Und das ist auch schon die große erste Schwierigkeit zu Anfang. Nicht zu verkopft an die Sache heranzugehen.

2.
sich nicht verunsichern lassen

Damit sind wir direkt beim zweiten Knackpunkt. Gerade am Anfang denkt ihr sicher noch darüber nach, was das eigentlich werden soll und wo ihr mit dem Werkzeug noch hin wollt, während es auf dem Papier entlang fährt. Genau an diesen Stellen werden die Formen meist unruhig, wackelig und unsicher. Dasselbe passiert, wenn ihr ein bestimmtes Ziel verfolgt. Das heißt, ihr macht euch in Gedanken vorher schon einen genauen Plan, was ihr als nächstes zu Papier bringt, ihr fangt an, dann wird es nicht so, wie ihr euch das ausgemalt habt, und schon habt ihr denselben unsicheren Wackler produziert. So etwas passiert auch häufig, wenn man sich andere Arbeiten zum Vorbild nimmt und versucht in diesem Stil zu arbeiten. Je weniger man sich aber von anderen beeindrucken lässt und seine eigene Sache durchzieht, desto authentischer und sicherer wird euer Ergebnis und desto authentischer und unverkennbarer wird auch eure Art zu kalligraphieren. Also lasst euch Zeit, damit sich euer Stil selbst entwickeln kann und seid nicht so streng mit euch. Das verunsichert – und damit wären wir wieder am Anfang.

3.
agieren, darauf reagieren, darauf reagieren, darauf reagieren

Der erste Strich geht relativ schnell von der Hand. Das sieht man zum Beispiel auch in dem Plakatfeder-Video. Aber ab diesem Punkt ist es eine ständige Reaktion auf das, was man vor sich sieht. Zwischen den einzelnen Ausführungen der Bewegungen, nehmt ihr das bisher Vorhandene als Gesamtes wahr. Fühlt es. (Ja. Nein. Sachlicher geht es nicht. Wenn euch das verunsichert, ignoriert die Tipps erst einmal.) Und erst dann setzt ihr wieder an, reagiert auf das, was ihr wahrgenommen habt und ergänzt es um die nächste Bewegung.

_ LOS GEHTS    Jetzt nicht mehr weiter darüber nachdenken, sondern anfangen. Ihr könnt gar nichts falsch machen. Und hey, lasst mal was sehen, schickt mir eine Mail an hannah [at] rauss.net oder schreibt mir auf Twitter @hanh_r.
Falls ihr noch zweifelt, ob ihr das wirklich könnt, möchte ich zuletzt noch anmerken: los jetzt, das wird großartig!

Freie Kalligraphie | 20150304 – noe.io

| 20150227

Experiment, Freie Kalligraphie

Aussortierte Exemplare, freie Kalligraphie, Wasser.

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